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Ratschläge bei Lungenemphysem Ein hilfreicher Leitfaden für Patienten
Lungenemphysem - Erklärung:
Das Lungenemphysem ("Lungenblähung") ist eine irreversible Erkrankung der Lungen bedingt durch chronische Bronchitis, langjähriges Zigarettenrauchen oder selten auch genetisch bedingt. Durch die Entzündung der Bronchien oder durch das Zerstören von Schutzfaktoren durch Rauchinhaltstoffe kommt es zum Zerreißen der Lungenbläschen, sodaß an deren Stelle große, funktionell minderwertige Blasen entstehen, welche die Elastizität der Lungen stark vermindern und den Sauerstoffaustausch besonders bei körperlicher Belastung stark beeinträchtigen. Die Einatmung ist ein aktiver Prozeß. Durch Anspannung der Atemmuskulatur (Brust- und Schultermuskulatur), besonders aber des größten Atemmuskels, des Zwerchfells (der den Brustraum vom Bauchraum trennt), wird Luft durch die Bronchien in die Lungen angesaugt - die Lungen dehnen sich. Der Sauerstoff tritt durch die Wände der Lungenbläschen hindurch und wird von den roten Blutkörperchen in den Haargefäßen gebunden, welche die Lungenbläschen engmaschig umspinnen. Gleichzeitig wird das durch den Zellstoffwechsel anfallende Kohlendioxid vom Blut in die Lungenbläschen abgegeben. Mit der Ausatmung verläßt dieses Kohlendioxid den Körper. Dieser Ausatmungsvorgang ist ein passiver Prozeß, das heißt, die Atemmuskeln entspannen sich, die Lungen ziehen sich entsprechend ihrer Elastizität ähnlich einem Gummi wieder zusammen und die verbrauchte Luft wird durch die Bronchien wieder herausgepreßt. Beim Lungenemphysem haben die Lungen ihre Elastizität weitgehend verloren. Die Bronchien sind weich und lassen sich leicht zusammendrücken. Da die Ausatmung nun nicht mehr durch das Zusammenziehen der Lungen vor sich geht, muß die Luft aktiv durch Anspannen bestimmter Muskeln herausgepreßt werden. Dabei werden leider auch die Bronchien "zusammengequetscht" und verhindern das Ausströmen der Luft. Nachdem entsprechend der Schwere des Lungenemphysems ein Teil der Luft noch den Körper verlassen kann, bleibt aber ein unterschiedlich großer Anteil in den Emphysemblasen zurück. Man spricht von "gefangener Luft". Je größer die körperliche Anstrengung, desto größer ist auch die Luftmenge, die nicht mehr ausgeatmet werden kann. Man verspürt zunehmende Atemnot. Erst nach einer Erholungsphase wird die Überblähung der Lungen wieder langsam abgebaut. Dieselben Beschwerden treten bei bestimmten Körperbewegungen auf, besonders durch Kompression des Brustkorbs durch Niederbeugen, Aufsitzen, Bauchpresse usw. Die folgenden Ratschläge mögen Ihnen eine Hilfe geben und so das Leben trotz dieser nicht heilbaren Erkrankung wieder lebenswert machen:
Zuerst gleich der wichtigste Rat:
Versuchen Sie nicht, Ihre seit Jahren gewohnte körperliche Leistungsfähigkeit mit Gewalt zu erzwingen. Nur Herz, Kreislauf und Muskeln lassen sich trainieren, nicht aber durch Emphysem veränderte Lungen. Sie nehmen Ihnen die übermäßige körperliche Belastung sehr übel und bringen Ihnen nur unnötige Atemnot, welche durch das Einteilen der "Atemreserve" vermieden werden kann.
1. Erzwingen Sie niemals eine körperliche Leistung!
2. Stellen Sie Ihr Leben um und vermeiden Sie möglichst Tätigkeiten, 3. Ist dies nicht möglich, nehmen Sie sich für diese Tätigkeiten viel
Zeit
4. Nehmen Sie die von Ihrem Arzt vorgeschriebenen Medikamente
5. Führen inhalative Medikamente (Dosieraerosole, Pulverkapseln, usw.) Nun der zweitwichtigste Rat: Erlernen Sie unbedingt die "Lippenbremse"! Sie sollte Ihnen "in Fleisch und Blut" übergehen. Atmen Sie möglicht durch die Nase ruhig ein (Abb. 1). Damit wird die Luft optimal angewärmt und angefeuchtet. Beim Ausatmen schließen Sie die Lippen bis auf einen kleinen Schlitz (als ob Sie pfeifen wollten) und atmen Sie durch diesen Schlitz langsam aus (Abb. 2). Dabei spüren Sie den Luftstau an den Lippeninnenseiten. Sie können natürlich auch ein Lied pfeifen. (Zum Erlernen der Lippenbremse gibt es im medizinischen Fachhandel kleine, pfeifenartige Plastikgeräte, welche die Ausatemluft abbremsen, zum Teil auch Vibrationen erzeugen und damit schleimlösend wirken.) Dadurch wird während der Ausatmung ein Gegendruck in den Bronchien erzeugt, indem die zurückgestaute Luft die Bronchien zumindest längere Zeit offen hält und so den Anteil der in den Lungenbläschen gefangenen Luft vermindert.
Eine andere Methode, die Lippenbremse zu erlernen ist, ein Taschentuch oder ein Halstuch an einem Eck mit den Fingern einer Hand 10 bis 20 cm vor dem Gesicht zu halten und es während der Ausatmung möglichst lange von sich wegzublasen. Dabei kommt es nicht auf die „Stärke des Windes“ sondern auf die Dauer des Blasens an (Abb.3 und 4).
Dieses Atemtraining sollten Sie immer üben, sooft Sie daran denken, also auch in Ruhe, damit Sie bei Belastung nicht in Panik kommen und auf diese Atemtechnik vergessen.
Also: Einatmung durch die Nase
Ausatmung mittels Lippenbremse Lernen Sie Ihre Atmung kennen Sie legen sich flach auf den Rücken und atmen ruhig und gleichmäßig. Legen Sie nun beide Hände seitlich an die Rippen und fühlen Sie mit ihr, wie sich bei Einatmung der Bauch hebt, bei Ausatmung wieder senkt (Abb. 5). Schon nach einigen Sekunden bemerken Sie, daß die Atmung ruhig und ohne Behinderung oder Pressen beim Ausatmen vor sich geht. Die Ausatmung mit der Lippenbremse kann durch leichten Druck der Hände auf die Rippen unterstützt werden. Konzentrieren Sie sich dabei bewußt intensiv auf das Ein- und Ausströmen der Luft.
Eine ähnliche Übung können Sie auch im Sitzen durchführen (Abb. 6 und 7). Gewöhnen Sie sich an, mit aufrechtem Oberkörper zu sitzen. Dabei strecken Sie die Wirbelsäule durch. Sie legen eine Hand entspannt auf den Bauch und fühlen dessen harmonische Bewegungen bei Ein- und Ausatmung. Eine zusammengekauerte Körperhaltung macht es den Lungen schwer, sich zu entfalten. Außerdem kann der wichtigste Atemmuskel - das Zwerchfell - in dieser Haltung nur unzureichend arbeiten.
Verwenden Sie atemerleichternde Körperhaltungen:
1. Reitsitz:
Setzen Sie sich verkehrt auf einen Sessel, sodaß das Gesicht
2. Kutschersitz:
Sie sitzen entspannt mit geradem Rücken am Sessel, die
3. Entspannende Sitzhaltungen
zeigen Ihnen auch die Abbildungen 9 und ![]()
4. Bei Atemnot während eines
Spazierganges: Sie stehen hinter einer
5. Bei Atemnot auf der Straße:
Stellen Sie sich an ein geparktes Auto,
Während dieser entspannenden Körperhaltungen atmen Sie konzentriert und ruhig durch die Nase ein und mittels Lippenbremse wieder aus, bis sich die Atemnot vollständig gelöst hat.
Treppensteigen: 1. Muten Sie sich nicht zu große Distanzen zu. Haben Sie Ihre Atemreserven aufgebraucht, dauert es längere Zeit, bis diese wieder ein Weitergehen ermöglichen. Planen Sie Ihre Atemreserve also schon bevor Sie die Treppe in Angriff nehmen und bleiben Sie stehen, bevor Sie noch Atemnot verspüren!
2. Gewöhnen Sie Sich an, während 1 bis 2 Stufen (durch die Nase) einzuatmen und mit der Lippenbremse 2 bis 4 Stufen auszuatmen.
3. Tritt schon bei leichter körperlicher Belastung Atemnot auf, so gewöhnen Sie sich folgenden Rhythmus an: Im Stand durch die Nase einatmen - während der nächsten 1 bis maximal 3 Stufen mit der Lippenbremse ausatmen - stehen bleiben und wieder einatmen - während der nächsten 1 bis 3 Stufen wiederum mit Lippenbremse ausatmen - usw.
Gehen auf der Ebene und bergauf:
Ruhig und gemächlich während 1 bis 2 langsamen Schritten (über die Nase) einatmen und während der nächsten 2 bis höchstens 4 Schritte mit der Lippenbremse ausatmen. Versuchen Sie das Tempo so zu wählen, daß sie bei gleichmäßigen Bewegungen keine Atemnot verspüren. Tritt diese ein, so wenden Sie wenn möglich eine der atemerleichternden Haltungen an (siehe oben), bzw. machen Sie die Schritte nur beim Ausatmen (natürlich mit Lippenbremse).
Aufstehen vom Sessel:
Sie sitzen mit aufrechtem Oberkörper und stützen die Arme an den Armlehnen des Stuhls oder an den Oberschenkeln ab. Atmen Sie einmal tief ein und während Sie mittels Lippenbremse ausatmen erheben Sie sich mit gestrecktem Oberkörper und unter Zuhilfenahme der abgestützen Arme. Erst im Stand (Ruhephase) wieder einatmen. Atmen Sie auch beim Niedersetzen mit der Lippenbremse aus und versuchen Sie, den Brustkorb gestreckt zu halten.
Aufstehen aus dem Bett:
Sie liegen am Rücken. Drehen Sie sich nun auf diese Seite, auf welcher Sie aufstehen möchten. Ziehen Sie die Beine etwas an und schieben Sie sie aus dem Bett (dabei liegen Sie mit dem Gesäß und Oberkörper noch seitlich gedreht im Bett). Nun stützen Sie beide Arme neben sich auf den Bettrand, lassen die Unterschenkel über dem Bettrand fallen und heben den gestreckten Oberkörper langsam unter gleichzeitigem Ausatmen mittels Lippenbremse in die Höhe, bis Sie sitzen. Bleiben Sie einige Sekunden am Bettrand sitzen und atmen ruhig durch. Dabei kann der Kreislauf sich an die neue Position gewöhnen und Sie neue Energie für den 2. Schritt tanken: Stützen Sie nun beide Arme neben sich auf den Bettrand und erheben Sie sich wieder während des Ausatmens mit Lippenbremse mit gestrecktem Brustkorb.
Aufheben von Dingen vom Boden, Verrichten von Arbeiten in gehockter Stellung
Öffnen Sie beengende Kleidungsstücke (Hosenknopf, Gürtel, usw.). Gehen Sie mit gestrecktem Oberkörper in die Hocke. Sollte dies durch Ungelenkigkeit nicht möglich sein, grätschen Sie die Beine etwas. Dabei wird wieder gleichzeitig mit der Lippenbremse ausgeatmet. Am Boden hockend oder knieend die Arbeit verrichten; achten Sie aber, daß Sie möglichst wenig den Brustkorb komprimieren und einen gleichmäßigen Atemrhythmus einhalten.
Günstige Ruhelage im Bett:
Am Natürlichsten ist eine Ruhelage, bei der
Sie auf der Seite liegen, das untere Bein gerade ausgestreckt und das obere Bein
leicht abgewinkelt. Der Vorteil dieser Lage ist die Möglichkeit einer besseren
Bauchatmung. Dabei kann der oben liegende Arm auf die entgegengesetzte Seite
ausgestreckt werden
Richtiges Husten:
Setzen Sie sich dazu in aller Ruhe auf einen Stuhl, beugen Sie sich leicht vor, atmen Sie durch die Nase ein und „hüsteln“ Sie kurz. Vermeiden Sie unkontrollierte Hustenanfälle, sie kosten nur Energie und führen zu starker Atemnot. Spüren Sie Schleim in den oberen Luftwegen, dann husten Sie ihn mit 1 bis maximal 2 kurzen, konzentrierten und kräftigen Stößen gegen einen Widerstand wie Taschentuch aus. Auch die vor den Mund gepreßte Hand führt zum Offenhalten der Bronchien während des Hustenstoßes. Das "anstandshalber"-Vorhalten der Hand reicht jedoch nicht! Sollte Sie unproduktiver trockener Hustenreiz quälen, so versuchen Sie ihn mittels ruhiger, oberflächlicher Atmung zu unterdrücken. Trinken Sie ein warmes Getränk in kleinen Schlucken oder lutschen Sie ein Bonbon.
Richtiges Verhalten am WC:
Das Pressen während des Stuhlgangs bereitet oftmals starke Atemnot. Um diese zu vermeiden sitzen Sie aufrecht und mit beiden Armen auf den Oberschenkeln abgestützt mit gestrecktem Brustkorb (Abb. 8). Bevor Sie zum Stuhlgang drücken, atmen Sie tief ein und pressen Sie unter gleichzeitigem Ausatmen mittels Lippenbremse. Nach einigen ruhigen Atemzügen wiederholen Sie diesen Vorgang. Achten Sie auf regelmäßigen Stuhl. Sollte dieser Probleme bereiten, so wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt.
Tragen schwerer Lasten:
Verteilen Sie das Gewicht immer gleichmäßig auf beide Arme (z.B. zwei Einkaufstaschen). Lassen Sie die Arme gestreckt entlang des Körpers hängen. Das Abwinkeln sollte möglichst vermieden werden. Einzelne schwere Lasten wie z.B. Körbe, Kisten, usw. sollten eng an den Körper gepreßt gehalten werden. Das Aufheben erfolgt wie oben beschrieben (Lippenbremse nicht vergessen!), beim Gehen sollte immer der Atemrhythmus beibehalten werden. Verwenden Sie - wo immer möglich - Arbeitshilfen wie Einkaufs- und Gepäckwagen usw.
Atemgymnastik
Tägliche Streck- und Dehnungsübungen erhalten den Brustkorb elastisch. Gerade beim Lungenemphysem sollte man alle Atemreserven mobilisieren können. Doch dürfen Leistungen keinesfalls erzwungen werden. Wichtig sind Übungen, bei denen man sich möglichst groß machen muß und bei denen die Zwischenrippenräume gedehnt werden. Stellen Sie sich bequem hin und strecken Sie beide Arme über dem Kopf, als ob man kaum erreichbare Äpfel pflücken würde (Abbildung 14 und 15). Dabei darf der Atem aber nicht angehalten werden, im Gegenteil man atmet möglichst tief durch die Nase ein und mit der Lippenbremse wieder aus. Machen Sie diese Übungen mehrmals hintereinander und konzentrieren Sie sich wieder auf die ruhige und harmonische Ein- und Ausatmung.
Dieselbe Übung läßt sich auch im Liegen durchführen, indem Sie am Rücken liegend die Arme neben dem Körper entspannt hinlegen. Während einer ruhigen Einatmung durch die Nase werden gleichzeitig beide Arme gestreckt vor der Brust im Halbkreis bis über den Kopf bewegt und dabei ruhig mit der Lippenbremse ausgeatmet. Bei der Rückwärtsbewegung wird wieder durch die Nase eingeatmet. Sie stellen sich gerade hin, nehmen einen Stock oder einen Regenschirm in beide Hände, sodaß zwischen ihnen etwa ½ Meter frei bleibt. Während Sie wiederum durch die Nase ein- und mit der Lippenbremse ausatmen beugen Sie den Oberkörper harmonisch von der linken auf die rechte Seite, sodaß der Stock dadurch einen Halbkreis beschreibt (Abb. 16 und 17).
Sind Sie ein „sportlicher Typ“, so knien Sie auf den Boden und stützen sich wie ein Vierfüßer mit den Händen auf. Während Sie tief und langsam durch die Nase einatmen, führen Sie Ihren rechten Arm seitlich gestreckt rückenwärts und folgen dabei mit Oberkörper und Kopf der Bewegung Ihres Armes. Während Sie wiederum mit der Lippenbremse ausatmen bewegen Sie Arm und Oberkörper wieder in die Ausgangsstellung zurück und vollführen bei der nächsten Einatmung durch die Nase die gleiche Bewegung mit dem linken Arm, gefolgt von Oberkörper und Kopf. Bei all diesen Gymnastikübungen sollte das Auspressen der Luft beim Ausatmen unbedingt vermieden werden. Übungen, bei denen der Brustkorb und damit die Lungen komprimiert werden, sind ebenfalls ungünstig, da sie zu Atemnot führen.
Einteilung des Tagesablaufes:
Bedenken Sie, daß Sie für alle körperlich belastenden Tätigkeiten mehr Zeit einplanen müssen. Verrichten Sie diese gerade während der „Umlernphase“ bewußt in Zeitlupentempo. Besonders Emphysempatienten haben das unbewußte Bestreben, alles möglichst rasch - noch vor „Eintreten der Atemnot“ erledigen zu wollen. Und gerade dieser Trugschluß führt oftmals zu einen unnotwendigen Kampf um jeden Atemzug. Seien Sie ruhig auch einmal ehrlich zu sich und gestehen Sie sich ein, daß bestimmte Tätigkeiten Ihres täglichen Lebens eben nicht mehr durchführbar sind. Dazu gehören auch bestimmte kräfteraubende Sportarten. Jedoch wäre es grundlegend falsch, auf sämtliche sportliche Betätigungen zu verzichten. Besonders Sportarten, die harmonische Bewegungen erfordern, sind ideal, wie z.B. Schwimmen, Radfahren, Wandern (mit und ohne Schi). Doch auch hier gilt wieder: Nichts erzwingen wollen! Auch müssen Sie nicht auf Geschlechtsverkehr verzichten, doch wählen Sie Techniken oder Stellungen, die Ihnen möglichst wenig körperliche Bewegung abverlangen. Und vergessen Sie auch hier nicht auf die kräftesparende Lippenbremse. Da gerade der Intimbereich einen wesentlichen Teil der Lebensqualität darstellt, sollten Sie nicht zögern und mit Ihrem Partner offen darüber sprechen!
Medikamente:
Das Lungenemphysem bedeutet, wie schon eingangs beschrieben, eine irreversible Schädigung der Lungen. Dies ist auch durch beste Medikamente nicht zu verändern. Dennoch können sie meist eine Verbesserung der Atemleistung bewirken. Ihr Arzt kann für Sie ein individuelles Behandlungsschema zusammenstellen, welches nicht nur aus Tabletten, sondern auch aus Medikamenten besteht, welche inhaliert werden. Gerade diese Medikamente sind besonders wertvoll, da sie meist rasch wirken und durch den direkten Angriffspunkt an der Schleimhaut der Bronchien nur sehr geringe Nebenwirkungen besitzen. Jedoch ist die Wirksamkeit dieser Mittel sehr abhängig von der richtigen Inhalationstechnik. Deshalb ist es von immenser Wichtigkeit, diese Technik richtig zu erlernen, entscheidet sie doch, ob das Medikament im Atemnotanfall auch hilft. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt und lassen Sie sich die Inhalationstechnik genau erklären bzw. vorzeigen. Gelegentlich ist es auch notwendig, das Behandlungsschema entsprechend dem Erkrankungverlauf neu anzupassen. Versäumen Sie deshalb nicht regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Arzt. Verschweigen Sie auch nicht, wenn bei der Einnahme eines Medikamentes unangenehme Nebenwirkungen auftreten.
Zigarettenrauchen:
Die Inhalation von Tabakrauch irritiert nicht nur die Bronchialschleimhaut, die Atemwege sind dadurch auch vielmehr infektanfällig. Außerdem beeinträchtigt das im Rauch vorhandene Kohlenmonoxid die Bindung des Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen, sodaß die Sauerstoffreserve noch weiter eingeschränkt wird. Außerdem wirkt das Rauchen verschiedenen atemerleichternden Medikamenten massiv entgegen, sodaß ihre Wirkung nur schlecht zum Tragen kommt. Auch wenn es nach jahrzehntelangem Zigarettenkonsum außerordentlich schwer ist, diesen zu beenden, so sollten Sie sich zum Zwecke der besseren Medikamentenwirksamkeit dennoch zu diesem Schritt entschließen.
Richtige Ernährung: Vermeiden Sie große Portionen, essen Sie lieber mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt, achten Sie auf eine ausgewogene Zusammenstellung des Menüs, doch meiden Sie blähende Nahrungsmittel - sie führen zu eingeschränkter Beweglichkeit des Zwerchfells und damit zu Verminderung Ihrer Atemreserve. Sollten Sie Untergewicht haben (Ihr Arzt gibt Ihnen bei Unklarheiten gerne Auskunft), so streben Sie eine kalorienreiche Kost an. Falls Sie jedoch bemerken, daß Sie plötzlich an Gewicht abnehmen ohne Ihre Eßgewohnheiten zu ändern, so wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt. Es könnte eine Verschlechterung Ihrer Krankheit anzeigen, da die Atemmuskulatur übermäßig Energie benötigt. Dieser Trend sollte neben der Beseitigung der Ursache (meistens handelt es sich um Infekte) unbedingt durch hochkalorische Ernährung unterbrochen werden.
Vermeidung von Infekten: Erleiden Sie einen Infekt („Verkühlung“), so sollten Sie nicht lange zuwarten und möglichst rasch bei Ihrem Arzt Hilfe suchen. Geschädigte Lungen und Bronchien wie es beim Lungenemphysem der Fall ist, haben weniger Abwehrkräfte als ein gesundes Atemsystem und sind deshalb auch anfälliger gegen Krankheitskeime. Ein frühzeitiger Einsatz von Antibiotika, körperliche Schonung, gezielte Inhalationen usw. wirken dem Verlust der ohnehin schon verringerten Atemreserven entgegen. Rechtzeitige Schutzimpfungen bieten einen zusätzlichen Schutz vor Infektionserkrankungen.
Nochmals das Wichtigste in Stichworten:
Akzeptieren Sie, daß Sie in Ihren Leistungen um "einen Gang zurückschalten" müssen. Üben Sie die Lippenbremse in jeder nur denkbaren Situation. Vergessen Sie niemals, sie bei Atemnot auch anzuwenden, auch wenn es manchmal schwer ist, im Gefühl des-Ersticken-zu-Müssens sich dazu zu zwingen. Gehen Sie mit Ihrer Atemreserve sorgsam um und planen Sie im Voraus Ihr Leistungsvermögen, um Atemnotzustände zu vermeiden. Führen Sie körperliche Belastungen nur während des gleichzeitigen Ausatmens mit der Lippenbremse durch. Achten Sie darauf, sich nicht zu erkälten. Jeder Atemwegsinfekt führt zu einer Verschlechterung der Atemreserve. Nehmen Sie regelmäßig die vom Arzt verschriebenen Medikamente ein. Achten Sie dabei auf die richtige Inhalationstechnik, sie ist in erster Linie entscheidend für die Wirksamkeit bei Atemnot. Lassen Sie sich die richtige Handhabung von Ihrem Arzt vorzeigen. Versuchen Sie Ihr Körpergewicht durch Umstellung der Ernährung konstant zu halten. Sollten Sie ohne erkennbare Ursache an Gewicht verlieren, könnte dies eine Verschlechterung der Erkrankung bedeuten. Suchen Sie Ihren Arzt auf. Er wird Ihnen in der Zusammenstellung eines hochkalorischen Diätplanes behilflich sein. Oftmals ist auch eine Intensivierung der Therapie nötig, um die Verschlechterung des Emphysems aufzuhalten. Gewöhnen Sie sich an, regelmäßig Gymnastik zu betreiben. Sie helfen, den Brustkorb elastisch zu halten und die Atemmuskulatur zu kräftigen. Außerdem werden Ihre Lungen besser belüftet, was Atemwegsinfekten vorbeugt. Lesen Sie diesen Leitfaden mehrmals durch. So werden Ihnen jedesmal einige Tips mehr im Gedächtnis bleiben, die Ihnen in verschiedenen Situationen des täglichen Lebens hilfreich sind. Wenn Sie diese Ratschläge befolgen, brauchen Sie Atemnotanfälle nicht mehr zu fürchten und das Leben wird trotz dieser nicht heilbaren Erkrankung wieder lebenswert sein. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Hausarzt oder Lungenfacharzt.
Für den Inhalt verantwortlich: Prim. Dr. Gert Wurzinger Vorstand
der Abteilung für Lungenkrankheiten Skizzen: Mag. Inge Wurzinger |